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Mittwoch 20.10.2004
Harald hat sich den Wecker auf 4.45 Uhr gestellt, denn der Plan ist zur Parköffnung um 5 Uhr schon zum Dead Vlei aufzubrechen. Das tröpfelnde Geräusch auf der Zelthaut und ein Kontroll-Blick aus dem Zelteingang lassen dieses Vorhaben aber im Keim ersticken. Der Himmel ist komplett Schwarz und es sieht auch nicht nach Besserung aus. Die Stimmung sinkt auf unter Null! Man muss sich das mal vorstellen: Da fliegt und fährt man Tausende Kilometer in eine der trockensten Gegenden Afrikas südlich der Sahara, noch dazu in einer trockenen Jahreszeit. Und was muss man erleben? Regen!
Das kann nur eines bedeuten: Darko kennt einen äußerst effektiven Regentanz und hat ihn zu Hause in Deutschland für uns aufgeführt. Soll das wirklich bedeuten, dass wir ohne Bilder vom Dead Vlei und den Dünen nach Hause müssen? Schließlich bleibt uns nur dieser eine Tag...
Also legen wir uns erst mal wieder Schlafen und warten ab. Irgendwann stehen wir dann auf, frühstücken etwas Obst und machen uns mit übler Laune (seitens Harald) auf den Weg in den Park. Arme Sonja, sie muss in diesen Stunden einiges ertragen. Aber es gibt auch wirklich überhaupt kein Licht hier und damit nicht die geringste Chance auf vernünftige Fotos. Dünen mit Wolken und ohne Licht sind ja schon etwas besonderes, aber mit Sicherheit nicht das, wozu wir hergekommen sind.
Die Straße im Park ist echt interessant. Einerseits asphaltiert und sehr gut, aber an sehr vielen Stellen mit teilweise bis zu 30cm tiefen und mehreren Quadratmetern großen Schlaglöchern. Mann muss höllisch aufpassen, dass man die nicht mit voller Fahrt erwischt.
Gegen 12 erreichen wir die "Düne 45". Eigentlich sollte es hier um diese Tageszeit ziemlich heiß sein. Aber was müssen wir erleben: Es ist Arsch kalt! Mit langen Hosen und Fleecejacke machen wir uns an den Aufstieg über den Grat der Düne. Oben angekommen fängt es endlich an aufzuklaren. Sollte heute doch noch mal etwas Sonne zum Vorschein kommen? Die Stimmung hebt sich, wozu auch der senkrechte "Abstieg" an der Flanke hinunter beiträgt. Abstieg kann man es fast nicht nennen, denn entweder ist man in der Luft oder man rutscht. Auf jeden Fall macht es Spaß, auch wenn es sehr schnell wieder vorbei ist. Nach einer kurzen Pause, in der die Schuhe geleert und bei dieser Gelegenheit gleich die Hosenbeine abgemacht werden (es wird nämlich mittlerweile warm, so wie es sich für eine Wüste gehört!), fahren wir weiter zum 2x4 Parkplatz. An dieser Stelle ist für alle Nicht-Allrad-Fahrzeuge nämlich Schluß, denn ab hier gibt es nur noch Sand.
Dort werden erst mal ein paar Wienerle, die wir gestern noch im Shop gekauft haben, und das restliche Brot verdrückt. Bis dahin hat sich das Wetter endlich komplett gebessert und Harald beschließt nun doch zum Dead Vlei zu marschieren. Sonja muss leider beim Auto bleiben, denn der Parkplatz ist nicht bewacht und im Auto sind zu viele Wertgegenstände, die wir einfach nicht zurücklassen oder mitnehmen können. Haralds Dank ist ihr auf jeden Fall auf ewig sicher!
Mit drei Liter Wasser, großem Rucksack und Stativ macht Harald sich auf den Weg. Eigentlich gibt es für die 5km bis zum 4x4 Parkplatz, von wo aus es dann noch 1,1km bis zum Dead Vlei sind, auch einen Shuttle Service. Aber erstens ist man Schwabe und als solcher zu geizig 10,- € für 15 Minuten Fahrt hinzulegen und zweitens hat ein bissel Wandern im Sand noch keinem geschadet. Nach ca. 1 Stunde (Harald hat seine Uhr bei Sonja gelassen) ist man auch schon am 4x4 Parkplatz. Von da geht es scharf links durch die Dünen zum Dead Vlei. Der Weg findet sich einfach, immer den Spuren nach. Nach einem letzten, etwas höheren Dünenkamm steht man plötzlich im Vlei und es bietet sich einem ein bizarrer Anblick, den einen vergleichbaren Ort gibt es nirgends auf der Erde: Eine Lehmpfanne mit einer großen Zahl längst abgestorbener Bäume umringt von roten, teils sehr hohen Dünen. Das Vlei ist ca. einen Kilometer lang und an der breitesten Stelle vielleicht 400-500 Meter breit.
Nach einer kurzen Verschnaufpause, in der das T-Shirt getrocknet und ein erster Erkundungsgang unternommen wird, beginnt auch schon die Arbeit. Harald ist hier schließlich nicht zum Vergnügen ;-) Ein Foto nach dem anderen entsteht und zum Glück ist er ganz alleine, denn ein Beobachter hätte ihn sicher mit etwas Unverständnis bedacht. Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück, weiter links oder doch lieber auf dem Boden liegend? Das Finden des richtigen Standpunktes erfordert ganzen Einsatz und die Zeit verrinnt wie im Flug. Zweieinhalb Stunden oder 100 Fotos später geht auch schon die Sonne unter und es wird langsam wirklich Zeit für den Rückweg. Es ist jetzt 18.45 Uhr und während die Sonne hinterm Horizont verschwindet fängt es bei Harald an zu dämmern: 1,25h Fußmarsch plus min. 1h Fahrzeit gibt 21.00 Uhr. Das Tor vom Park wird aber um 20.00 geschlossen! Mist, da hätte man aber wirklich vorher drüber nachdenken können. Sonja macht sich sicher auch schon Sorgen und es wird jetzt auch verdammt kalt. Selber Schuld, wenn man nur kurze Hosen und ein T-Shirt dabei hat. Also schnell alles eingepackt und noch ein kräftiger Schluck Wasser genommen und es geht auf den Rückweg. Zum Glück scheint der Mond halbwegs klar, so dass der Rückweg wenigstens gut zu finden ist. Doch dieser zieht sich in der Kälte und Dunkelheit nun ganz enorm in die Länge. Die Gedanken an die wartende Sonja und das wohl bald verschlossene Tor macht die Sache auch nicht angenehmer. Hoffentlich taugen die Fotos auch was, damit der ganze Schw...sinn wenigsten einen Nutzen hatte ;-)
Nach ziemlich genau einer Stunde erreicht Harald durchgefroren und hungrig die wartende Sonja, die sich zwar wirklich schon Sorgen wegen dem Park-Tor macht (wer will es ihr verübeln, kommt man doch schon mit simpelstem Kopfrechnen darauf, dass das nix mehr wird), aber auch schon vermutet hat, dass Ihr fotoverrückter Ehemann noch bis zum letzten Licht am fotografieren war. Trotz der Sorgen, Kälte und Strapazen war es eine tolle Erfahrung so ganz allein bei Nacht durch die wunderschöne Namib zu marschieren.
Jetzt aber genug geschwärmt. In Hektik wird eingeladen und dann geht es auf der tollen Straße zurück zum Parkeingang. Gegen 20.45 erreichen wir das natürlich verschlossene Tor, doch nach etwas Sucherei finden wir jemanden, der uns ohne Standpauke und Strafe aus dem Park läßt. Müde, aber glücklich erreichen wir unser Zelt, wo wir nach einem kurzen und spärlichen Abendmahl (Eine Dose Ananas, mehr haben wir nicht mehr und der Shop hat natürlich längst zu) in unsere Schlafsäcke kriechen. Morgen werden wir es uns dafür gutgehen lassen ;-)
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